Lesungen unter den Linden – Lindenberger Friedensgespräche
07. Sep 2026
Mit Franz von Assisi und dem Frieden unter den Religionen sind die diesjährigen „Lindenberger Friedensgespräche – Lesungen unter den Linden“ am 30. August vor der Wallfahrtskirche Maria Lindenberg bei St. Peter zu Ende gegangen. Begleitet wurde die Veranstaltung vom Projektchor „Singen und Wandern“.
Im 800-sten Gedenkjahr des heiligen Franz erinnerte Schwester Margarete Gruber OSF (Kongregation der Franziskanerinnen von Sießen/Professorin für Neutestamentliche Exegese und Biblische Theologie, Vallendar) dabei an die Begegnung zwischen Franz und dem Sultan 1219 in Ägypten während des fünften Kreuzzuges. Zudem stellte Margarete Gruber Bezüge zu den heutigen Herausforderungen zwischen Christen und Muslimen her.
Die Quellen erzählen, so Gruber, dass sich der Sultan und Franz frei von Polemik unterhielten und letzterer von der Glaubenspraxis der Muslime stark beeindruckt gewesen sein muss. Die Begegnung zeuge vom gegenseitigen Respekt der beiden Diskutanten vor der Religion des jeweils anderen, erläuterte die Referentin in ihrem Impuls vor rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörern unter den Linden vor der Wallfahrtskirche.
Dieser Umgang zwischen einem Christen und einem Muslim sei zu dieser Zeit sicherlich ungewöhnlich gewesen. Gleichzeitig verwies Schwester Margarete Gruber darauf, dass die katholische Kirche bereits im Jahr 1067 festgelegt hatte, dass Muslime und Christen „an den einen Gott glauben, wenn auch nicht auf dieselbe Weise“.
Allein, wer wusste damals davon? Und mehr noch: wer handelte danach?
Es sollten jedenfalls noch neun Jahrhunderte vergehen, bis das Zweite Vatikanische Konzil in seiner Erklärung über die nichtchristlichen Religionen in „Nostra Aetate“ festhielt: „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat.“
Und auch in der Erklärung über die Kirche dieses Konzils steht noch einmal ausdrücklich, dass der Heilswille Gottes auch die Muslime umfasst, „die mit uns den einen Gott anbeten“ (Lumen Gentium 16).
Franziskus jedenfalls brachte - von der Einzigkeit des allein guten Gottes motiviert - Sorgfalt und Achtung dem Gut der anderen, selbst dem der „Heiden“ entgegen, und praktizierte davon ausgehend auch Armut im Umgang mit dem eigenen „Gottesbesitz“. Diese Haltung zu lernen und zu leben sei vielleicht die größte Herausforderung in der interreligiösen Begegnung, die uns der „göttliche Bettler“ von Assisi lehre, so Schwester Margarete Gruber.
Abschließend erinnerte die Referentin an aktuelle Begebenheiten im christlich-muslimischen Dialog, wie an den Besuch von Papst Franziskus im Jahr 2019 in Abu Dhabi oder auch an Christian de Chergé, dem im Jahr 1996 ermordeten Prior des Zisterzienser- Klosters Notre-Dame de l’Atlas Tibhirine in Algerien. Dieser drückte in seinem Testament seine Sehnsucht aus, mit dem Blick Gottes, des Vaters, „seine Kinder aus dem Islam“ zu betrachten, „und zwar so, wie er sie sieht: ganz erleuchtet von der Herrlichkeit Christi, auch sie Früchte seines Leidens, angetan mit den Gaben des Geistes, dessen tiefverborgene Freude immer die sein wird, die Gemeinschaft zu begründen und die Ähnlichkeit wiederherzustellen, indem er mit all den Unterschieden unter den Menschen spielt.“
Ein Interview mit Prof. Dr. Sr. Margarete Gruber OSF lesen Sie bitte hier: